Der physische Teil des Sozialleben ist nahezu komplett eingefroren. Kontakte zu Freunden und Familien finden im privaten Leben meist nur noch über Video-Chat und Soziale Medien statt. Familien oder Paare haben jemanden, mit dem sie sich im Alltag arrangieren können. Bei Single-Menschen sieht das anders aus.
Doch wie gestalten sie ihr Leben in der derzeitigen Situation? Findet der Kontakt nur noch über den Bildschirm statt? Eine Umfrage bei „Jodel“ hat ergeben, dass die meisten Single-Menschen den physischen Kontakt zu anderen eingestellt haben. Nur wenige besuchen ihre Familie und noch weniger Freunde. Und wenn doch, dann halten sie den Mindestabstand. Umarmungen? Fehl am Platz. Zum ersten Mal erfahre ich, wie sehr mir Berührungen jeglicher Art fehlen. Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zum letzten Mal eine erwachsene Person umarmt habe. Wohin mit all dieser Liebe? Vielen Singles geht es wie mir. Sie haben viel Liebe abzugeben. Das kann einen noch einsamer machen, als man sich sonst schon fühlt. Ist es in Zeiten der Kontaktsperre überhaupt noch möglich jemanden kennenzulernen?
Seit längerem halte ich einen kleinen Flirt mit einem Verkäufer auf dem Markt. Jetzt, während der Corona-Pandemie, frage ich mich: Dürfte überhaupt mehr daraus werden als nur ein Flirt? Haben die Menschen eigentlich Angst sich zu treffen? Zum Glück gibt es noch Dating-Apps, sagen viele. Die Gespräche hier werden intensiver, man lernt sich jetzt auf eine andere Art und Weise kennen. Für mich waren diese Apps, bei denen man nach rechts oder links swipen kann, nur oberflächlicher Mist. Ich lerne die Menschen lieber persönlich kennen, dann kann ich ihre Ausstrahlung besser wahrnehmen. Online geht das für mich nicht so richtig. Wo also Menschen kennenlernen, wenn fast alles geschlossen ist und man keine Affinität für 0nlinedating besitzt?
Seit ich zu Hause bleiben muss, nehme ich meine Umgebung viel intensiver war. Ich entdecke viele neue Gesichter, die mir sehr fremd vorkommen. Trotz, dass ich hier aufgewachsen bin. Also gehe ich raus, spazieren. Vielleicht ist da jemand, dem ich auffalle. Vielleich gibt es noch andere Menschen in meiner Nähe, denen physische Nähe fehlt. In den Nachrichten lese ich einige herzergreifende „Corona-Love-Storys“. Trotz Kontaktverbot haben Sie sich gefunden und verliebt. Vom Balkon aus. Mehr brauchte es nicht. Es gibt also noch Hoffnung für all die Singles da draußen. Vielleicht ist es der nette Nachbar, der euch durch den ganzen Alltagsstress noch nie aufgefallen ist, vielleicht läuft euch jemand beim Spazieren gehen über den Weg, den ihr zuvor noch nie wahrgenommen habt. Schon ein kleiner Flirt kann einem den Tag versüßen und ist wie Balsam für die Seele. Manchmal fühlt sich ein freundliches Lächeln von einem interessanten Menschen an wie eine kleine Berührung an. Wagt es also mal. Mit viel Abstand!
Eure Rasende Reporterin Caro